Bericht über die Veranstaltung am 25.8.2017:

Mit dem Forschungsboot „Wilde Gans“ der Biologischen Station Kreis Kleve auf dem Reeser Meer

Diese Gewässerexkursion wurde betreut von dem Leiter der Bio-Station Herrn Dr. Wernecke und dem für dieses Projekt zuständigen Biologen Herrn van Bremen. Los ging es vormittags am 25.8. mit dem speziell für diese Forschungsarbeiten (und interessierte Passagiere) in Rostock fertiggestellten Katamaran mit 3 Arbeits- und Sichtschächten sowie reichlich Platz für die jetzt 15 Besucher und ein Kind.

In langsamer Fahrt bei ständiger Information über die Eigenheiten eines nicht öffentlich zugänglichen, nährstoffarmen Abgrabungsgewässers wurden die einzelnen Bereiche angesteuert und erläutert. Zum Beispiel hat der sich selbst wieder angesiedelte Biber positives öffentliches Interesse erzeugt. Der andere große Nager, der Nutria (Gefangenschaftsflüchtling), hat sich aufgrund seiner ungebremsten Vermehrung und seines Nahrungsbedarfs an Grünpflanzen zu einem extremen Schädling entwickelt, der für den Rückgang bzw. die Vernichtung wesentlicher Röhrichtbestände verantwortlich ist. Dies führt zu einer erheblichen Bedrohung der an Feuchtgebiete gebundenen Tierwelt.

Die Unterstützung der Forschung auf diesem Gebiet und der Wiederansiedlung der Röhrichtbestände sind Ziel eines Stiftungsprojekts.

Die verschiedenen Untersuchungsmethoden in einem derartigen Gewässer wurden uns vermittelt. Dazu gehören neben der Tiefen- und Sichttiefenmessung auch Wasserproben- und Bodenprobenentnahmen. Letztere enthalten reichlich Leben in Form von Mollusken (Schnecken und Muscheln) und Larven von Insekten (Libellen und Köcherfliegen), die sich bereits mit bloßem Auge gut erkennen lassen. Wasserpflanzen wurden ausgeharkt und gemeinsam bestimmt, wobei sich auch wieder invasive Neophyten (planzliche Neubürger) fanden.

Gegen Ende der Rundfahrt wurde eine größere Bucht vorgestellt, in der der Betreiber auf Wunsch der Biostation die Uferbereiche in natürlicher Weise abgeflacht hat. Auffällig war die Ausbreitung von Schilfbeständen und auf den Kies-, Sandufern eine plötzlich zunehmende Anzahl bedrohter Vogelarten, wie in diesem Falle Kiebitz, Flussuferläufer und Steinschmätzer.

Während der gesamten Fahrt fanden sich interessante Gesprächsrunden zusammen, die erst durch das Anlegen unterbrochen wurden. Weitere Veranstaltungen mit der BSKK, insbesondere Vorstellung des Forschungsprojektes „Röhrichtschutz“, sind geplant und werden frühzeitig über die Homepage mitgeteilt.


Bericht über die Veranstaltung am 27. 8. 2017

Exkursion zum Teufelsabbiss im NSG Dingdener Heide

Bei herrlichem Hochdruck-Wetter fanden sich 22 botanisch Interessierte am Treffpunkt in Dingden ein und starteten unter Führung unseres Stftungsratmitgliedes Wilhelm Itjeshorst die Wanderung in die Kernzone des NSG Dingdener Heide, geführt durch Stiftungsrat Wilhelm Itjeshorst, der zwei Drittel des Schutzgebietes abdeckt (der Rest liegt im Kreis Borken/Westfalen).

In kurzen Abständen wurde sowohl die Entwicklung der Landschaft aus den ehemaligen Allmenden - über Arrondierung benachbarten Geländes - und die Entstehung von ausgedehnten Heide-Biotopen dargestellt. Heute ist ein großer Teil der NSG-Fläche im Besitz einer Stiftung und wird landwirtschaftlich unter Natur-Vertragsschutz zum Erhalt der Grünflächen genutzt.

Der Teufelsabbiss ist ein Kardengewächs. Nächste Verwandte sind die Ackerwitwenblume (Knautia arvensis) und die Teufelskralle (Alpen). Der Name rührt her von der Ansicht des ausgegrabenen Wurzelstocks, deren alternden Teile wie angefressen aussehen, aus damaliger Sicht eben unterirdische Teufels-Beschäftigung.

Bekannt war diese Blume auch als Heilpflanze, wie viele andere mit kaum belegter Wirkung.

Wie die erste vorgestellte und bereits gemähte Wiese wurden auch andere nach Erwerb durch die NRW-Stiftung entweder geplaggt (aufwendig) oder vertikutiert und dann eingesät. Eine eigenständige Aussaat dieser Pflanze ist nicht möglich.

Einzelne nachblühende Pflanzen in verschiedenen Stadien fanden sich neben einer Vielzahl teilweise selteneren Wiesen- und Feuchtwiesenkräutern. Am Rand einer Blänke wurde uns dann eine gut 25 qm große Fläche mit hochstängelig blühendem Teufelsabbiß präsentiert, inzwischen eine Rarität in NRW.

Die engagiert vorgetragenen Themen des Naturschutzes und Einzelheiten in den Bereichen Botanik, Tierwelt und Geschichte führten zu intensiven Gesprächen, teilweise als Diskussionsschleifen in lockerem Marschtempo.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten:

Alle Teilnehmer waren trotz UV-Bestrahlung begeistert, haben die fachliche Führung und die Sonne genossen, sowie sich über botanische Spezifica und zoologische Wahrnehmungen ausgetauscht und vor allen Dingen weitere Exkursionen in 2018 gewünscht


Die altrömische Mähweide am Archäologischen Park Xanten

Eine blühende Wiese im archäologischen Park in Xanten war im Stiftungsrat im Sommer 2014 als Vision geboren – in 2016 wurde sie als Mähweide nach altrömischem Vorbild Wirklichkeit.

Unser Stiftungsratsmitglied Dr. Georg Verbücheln knüpfte an lange bestehende Kontakte zum Paläo-Botanischen Labor der Universität Köln an und mit der Leiterin des Labors, Frau Dr. Meurers-Balke, fand er eine wichtige Verbündete. Frau Dr. Meurers – Balke und ihre Kollegen begleiten den LVR seit vielen Jahren mit ihrem wissenschaftlichen Arbeiten, um möglichst viel Wissen über die Botanik der römischen Zeit zu erforschen.

Bereits im Winter gab es das erste hochinteressante Treffen in Xanten mit den Forschern aus Köln und LVR – Vertretern, die die verschiedensten Ressorts im APX leiten.

Von botanischer Seite wurde aus historischer und lokaltypischer Sicht die Anlage einer sog. Salbeiwiese ins Auge gefasst. Die Zusammensetzung des Saatgutes erfolgte anhand der bei Ausgrabungen auf dem Gelände, unter den Latrinen, gefundenen "antiken" Pollen.

Im Februar 2015 wurde es ernst und im Rahmen einer studentischen Exkursion des Archäologischen Instituts der Uni Köln (Frau Prof. Gerlach) wurden Bodenproben an Referenzorten, die dem Ideal möglichst nahe kamen, entnommen und vor Ort grob bestimmt.

Die Bodenbeschaffenheiten und planerische Aspekte in der Nähe des Eingangsbereiches wurden daraufhin von der LVR Leitung abgewogen und die Einsaat für den Herbst vorgesehen.

Rund 1600 qm Fläche wurden nun vor der ehemaligen Stadtmauer östlich des Haupteingangs von den Gärtnern des APX für die Einsaat vorbereitet und eingesät.

Im Folgejahr entwickelte sich eine Wiese, in der neben Gräsern, wie dem Kammgras. sich vor allem Kräuter entwickelten. Hier stachen die Margeriten, die Schafgarbe, die wilde Möhre, die Wiesen – Knautie, die Flockenblume und der Wiesen – und Hornklee besonders hervor.

2016 freuten sich alle Beteiligten über den auffälligen Insekteneinflug, der in der offenen Landschaft der Umgebung in dieser Dichte bisher nicht zu erleben war.

September 2016 wurde das Projekt der Presse vorgestellt und im Vortragsraum des APX – Museums referierten Frau Dr. Meurers-Balke und ihr Kollege Michael Herchenbach über die Geschichte und Entstehung der altrömischen Mähweide auf historischem Gelände.

Ein spannender Vortrag für viele Interessierte, die Einblicke in eine den meisten unbekannte Welt ermöglichte.

2017 entwickelte sich wieder eine üppige Blütenlandschaft, die sich auch nach der Beweidung durch Schafe im September erneut einstellte - mit großer Blütenvielfalt und einer erstaunlichen Insektenvielfalt.

Trotz des noch nicht gesichteten, jedoch charakteristischen Wiesensalbeis, wurden die Erwartungen voll erfüllt.

Dass sich der in der Samenmischung enthaltene Wiesensalbei zunächst nicht zeigte, ist ein kleiner Wermutstropfen. Es besteht die Absicht, ihn nachträglich einzupflanzen, um dem Idealbild aus römischer Zeit langfristig näher zu kommen.

Eine bebilderte Hinweistafel am Rande der altrömischen Mähweide informiert über das Projekt.

Anschrift

Naturschutzstiftung Niederrhein
im Naturschutzzentrum Wesel
Freybergweg 9

46483 Wesel

Kontakt

Tel. 0 20 64 - 56 737
oder
Tel. 0 20 64 - 51 904

E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

AKTIV FÜR DEN NIEDERRHEIN

Werden Sie Förderer unserer Gemeinschaft oder spenden Sie – jeder Euro hilft.