Der Vergleich

Vor der aktuellen Bestandsaufnahme wurden die nordrhein-westfälischen Obstbaumbestände vom Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik 1965 letztmalig gezählt. Für die Region Niederrhein wurden damals auf Basis der Altkreise 338.206 Bäume ermittelt. Im Vergleich zu aktuell 113.300 gezählten Bäumen stellt dieses einen Rückgang um 66 Prozent dar.

Massiver Rückgang

Die Gründe für den starken Rückgang in den letzten 40 Jahren sind vielfältig. In den 1970er Jahren forcierte die damalige EWG Obstbaumrodungen, weil sie Bau- und Gewerbegebieten sowie Verkehrs-Infrastrukturmaßnahmen im Wege standen.

Ein weiterer wichtiger Grund war das veränderte Verbraucherverhalten. Mit dem Wirtschaftsaufschwung in den 50er und 60er Jahren hielten die Südfrüchte Einzug in die deutschen Haushalte und die Verbraucher verlangten immer mehr nach makellosem Obst, frei von Schorf und Stippe.

© 2011 NSN | Hochstamm in voller Blüte

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Auswirkungen

Nachlassende Nachfrage führte bei den Obstwiesenbesitzern zu rückläufigem Engagement bei Pflege und Nachpflanzung von hochstämmigen Obstbäumen. Zudem gingen durch die zunehmende Technisierung in der Landwirtschaft die Arbeitsplätze verloren, die früher in den arbeitsarmen Wintermonaten in der Obstbaumpflege eingesetzt werden konnten. Dieser Rückgang ging auch zu Lasten der Natur.

Der vom Menschen geschaffene Lebensraum hatte sich über die Jahrhunderte zu einem artenreichen und ökologisch wertvollen Kulturbiotop entwickelt.

© 2011 NSN | Steinkauz tagaktiv

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Steinkauz, Grünspecht und viele andere Tierarten hatten sich den unterschiedlichen Alterstrukturen der Obstwiesen mit ihren Höhlen, den verschiedensten Borken, Blättern und Früchten angepasst und sind zum Überleben auf sie angewiesen.

In Folge dessen wird sich der Rückgang der Obstwiesen mit einer zeitlichen Verzögerung auf die hier lebenden Tier- und Pflanzenarten weiter negativ auswirken. Das Verschwinden des Wendehals als ehemaliger Bewohner der niederrheinischen Streuobstwiesen ist der traurige Beweis.